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Nachruf Prof. Dr.-Ing. Klaus Müller-Ibold

Klaus Müller-Ibold hatte sich zuletzt weitgehend zurückgezogen, mit 85 Jahren und nach ernsthaften Erkrankungen verfolgte er jedoch das städtebauliche Geschehen vor allem in Hamburg. Wenn in den Medien oder in der Politik wieder einmal falsch oder ohne Sachverstand argumentiert wurde, griff er zur Feder – ob es um die Stadtentwicklung, die Elbphilharmonie oder um Eingriffe in die Arbeitsfähigkeit von Baudienststellen ging.

Wir werden seine Stimme nicht mehr vernehmen. Klaus Müller-Ibold ist am 3. August 2014 gestorben, und wir haben im Kreise der Familie und Freunde in der Ohlsdorfer Fritz-chumacher-Halle von ihm Abschied genommen.

Klaus Müller-Ibold wurde am 6. April 1929 in Shanghai geboren. Dort besuchte er die
deutsche Kaiser-Wilhelm-Schule und die Shanghai American School (Highschool). Diese Jugendjahre haben ihn wesentlich geprägt und seine späteren internationalen Aktivitäten gefördert.

Nach einem kurzen Bauingenieurstudium noch in China studierte er von 1949 bis 1954 Architektur und Städtebau an der Technischen Hochschule Hannover. Danach folgten parallel das Referendariat und Mitarbeit in der Bauverwaltung der Stadt Hannover unter Rudolf Hillebrecht. Er leitete die Abteilung „Planerische Sonderaufgaben“, die sich mit den komplexen Entwicklungsfragen von Stadt und Region befasste, besonders auch mit sozioökonomischenZusammenhängen. Diese Arbeiten führten schließlich 1961 zur Promotionüber den Strukturwandel großer Stadtregionen und dessen Auswirkungen auf Raumordnungund Stadtplanung. Die Schriften „Die Stadtregion als Raum zentraler Orte“ und „Städteverändern ihr Gesicht“ (Kurzfassung) gehören noch heute zur Grundlagenliteratur.

Der Tätigkeit in Hannover folgte 1963 die Berufung als Stadtbaurat in Kiel, für den 33jährigen Müller-Ibold eine große Herausfordreung vor allem wegen der olympischen
Segelwettbewerbe mit ihren städtebaulichen und baulichen Erfordernissen.

Nach der Abrundung seiner Erfahrungen in der Planungspraxis folgte Klaus Müller-Ibold 1969 seinen Interessen an der wissenschaftlichen Arbeit. Nicht zuletzt wegen seiner Forderungnach  einer interdisziplinären Stadtplanung berief ihn die neu gegründete Universität Dortmund auf den Lehrstuhl für Stadt- und Regionalplanung und als Gründungsdekan der interdisziplinären Fakultät für Raumplanung.

So attraktiv die Dortmunder Tätigkeit auch war: 1972 bewarb er sich mit Erfolg um die Stelle des Hamburger Oberbaudirektors. Als Mitglied der Behördenleitung übernahm er die
Verantwortung für die technischen Ämter der Stadt. Er engagierte sich neben den städtebaulichen Aufgaben für den weiteren Ausbau der technischen Infrastruktur, den Umweltschutz, die präventive Pflege und Instandhaltung des kommunalen Bau- und
Immobilienvermögens sowie die Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Effektivität der
öffentlichen Verwaltung. Dabei ließ er seinen Mitarbeitern in Anerkennung ihrer
professionellen Leistungen breiten Raum in ihren Aufgabenfeldern. Nach Ablauf der
Wahlperiode endete 1980 Müller-Ibolds Tätigkeit in der öffentlichen Bau- und
Planungsverwaltung.

Es folgten Jahre mit wissenschaftlichen und beratenden Tätigkeiten und: neue Aufgaben im Hochschulbereich. In den Jahren 1985-91 wirkte er an der King Fahd University in Saudi- Arabien, wo er mit seiner Frau auch wohnte. Er baute die Studiengänge für Stadt- und Regionalplanung sowie für Architektur und Bautechnologie auf. Hier konnte er auf einem ganz neuen Feld seine praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen weitergeben.

Nach seiner Rückkehr aus Arabien ging Klaus Müller-Ibold eine letzte Verpflichtung als Hochschullehrer ein. Er stellte sich nach der Wende der Technischen Hochschule Cottbus zur Verfügung, um den Lehrstuhl für Städtebau aufzubauen.

Die hier geschilderten beruflichen Tätigkeiten stellen nur den äußeren Rahmen der
vielfältigen Engagements in seinem Berufsleben dar. Er war daneben in zahlreichen
Institutionen und Verbänden tätig, pflegte Kontakte mit in- und ausländischen Hochschulen und Akademien. Diese Verbindungen führten zu wissenschaftlichen Arbeiten, Teilnahmen an internationalen Kongressen und einer regen Vortragstätigkeit.

Seine reichen Erfahrungen und Aktivitäten führten zu Berufungen und ehrenvollen
Mitgliedschaften. So war Klaus Müller-Ibold schon seit 1964 Mitglied der Deutschen
Akademie für Städtebau und Landesplanung. Daneben fühlte er sich besonders dem
Internationalen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung verbunden, dessen Vorstand er in den Jahren 1980 bis 1988 angehörte, zuletzt als Vizepräsident.

Klaus Müller-Ibold hat seine Erkenntnisse in zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen in Zeitschriften, Dokumentationen und Büchern veröffentlicht. Sein Literaturverzeichnis ist beeindruckend. Es endet mit der „Einführung in die Stadtplanung“. In drei Bänden hat er dieses Thema in den Jahren 1995-97 umfassend dargestellt.

Wir haben Klaus Müller-Ibold viel zu verdanken. Er war bis zuletzt ein anregender und kritischer Geist, dem zu begegnen Freude machte. Für viele von uns war die Verleihung des Fritz-Schumacher-Preises an unseren Kollegen Thomas Sieverts im Festsaal des Hamburger Rathauses eine Gelegenheit, ihn noch einmal zu erleben. Er nahm als Mitglied der Fritz-Schumacher-Gesellschaft an dieser beeindruckenden Veranstaltung teil und begegnete noch einmal vielen früheren Kollegen und Freunden. Daran denke auch ich gern zurück.

Klaus-Dieter Ebert
Hamburg, im September 2014

 
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